Bedürfniserfüllung - Entknotung einer verdrehten Realität

Aktualisiert: Nov 18

Wie oft passiert es uns, dass wir über unsere eigenen Grenzen gehen, unsere Bedürfnisse ignorieren, insbesondere im Kontakt mit uns nahestehenden Menschen?

Dann kommt der Wunsch auf, der andere müsse doch merken, dass es gerade nicht geht, dass es mir gerade zuviel ist, dass seine Worte unpassend sind.

Doch in meinen Augen ist das der falsche Ansatz, geht es genau darum nicht. Irgendwie ist unsere ganze Bedürfniserfüllung durcheinander geraten zu einem ziemlich verhedderten und verknotetem Knäul.


Überlebensstrategien als innere Bedürfnisblockade

Als Kleinkinder sind wir darauf angewiesen, dass unsere Eltern unsere Bedürfnisse spüren und erfüllen.

Wenn das häufiger nicht passiert, beginnen wir, Überlebensstrategien zu entwickeln. Diese können beispielsweise dazu führen, dass wir unsere eigenen Bedürfnisse unterdrücken, als falsch empfinden oder einfach nicht mehr äußern. Dennoch existieren diese Bedürfnisse noch in uns. Es bleibt der Wunsch erhalten, jemand möge endlich sehen, was wir wirklich brauchen, selbst wenn wir es selber nicht merken.


Als Erwachsene ist es unsere eigene Aufgabe zu lernen, diese versteckten Bedürfnisse wieder wahrzunehmen und diese klar zu äußern. Es ist nicht die Aufgabe des Umfelds, doch zu spüren, was wir gerade brauchen!


Die Macht der Gewohnheit

Allerdings sind wir das nicht mehr gewohnt – weder als Bedürfnisäußerer noch als Empfänger der Botschaft. Weil so wenige Menschen das tun, weil wir es als Kinder nicht von unseren Eltern gelernt haben.

Wenn unser Gegenüber z.B. sagt: "Ich brauche gerade Ruhe, ich möchte alleine sein." Oder: "Ich kann gerade nichts mehr aufnehmen, können wir später weiterreden?" dann kann es passieren, dass wir frustriert, enttäuscht oder verletzt sind, uns zurückgewiesen fühlen. Vor allem dann, wenn diese Botschaften weniger sensibel formuliert sind als hier. Wir neigen dazu, diese Botschaften auf uns zu beziehen, da sie ggf. auch mit unseren Bedürfnissen kollidieren und antriggern: Schon wieder wird MEIN Bedürfnis nicht erfüllt.


Aushalten lernen

Daher ist es gleichzeitig unsere Aufgabe, zu lernen, die Grenzen unserer Mitmenschen, insbesondere nahestehender Personen, zu respektieren. Wir dürfen wieder lernen, es nicht persönlich zu nehmen und dafür zu sorgen, dass wir unsere Bedürfnisserfüllung nicht von anderen abhängig machen. Es tut allen Beteiligten gut, auszuhalten, zu akzeptieren wenn andere für sich und ihre Bedürfnisse einstehen. Und natürlich sollten wir das für uns selber auch tun. Häufig fühlen wir uns von Menschen getriggert, die sich klar äußern, weil wir uns das selber noch nicht zugestehen.


Empathie braucht die Verbindung zu uns selber

Zum Abschluss möchte ich noch einen dritten Aspekt beleuchten. Können wir lernen wahrzunehmen, was der andere gerade braucht?


Wieder ein Switch in die Kindheit. Wenn bereits unsere Eltern nicht gut darin waren, unsere kindlichen Bedürfnisse wahrzunehmen, kann es sein, dass wir diese Fähigkeit ebenfalls nicht lernen. Uns fehlt ein Vorbild. Andererseits kann es auch passieren, dass wir, als Überlebensstrategie, das Gegenteil tun. Wir werden übersensibel in Bezug auf die Bedürfnisse anderer, achten permanent darauf, was unser Gegenüber braucht, um ja geliebt zu werden.


Das kann unglaublich anstrengend sein. Weil wir ständig mit unserer Aufmerksamkeit bei dem anderen sind und nicht bei uns. Vielleicht können wir nicht mehr unterscheiden, wem was gehört. Am Ende liegen wir trotzdem häufig falsch, weil wir permanent interpretieren, statt den anderen zu fragen oder wirklich zu fühlen. Denn um zu fühlen, was wirklich gerade vorgeht, müssen wir Kontakt zu unserem Inneren, zu unseren eigenen Gefühlen haben. Wir brauchen die Verbindung zu uns selbst, um wirklich in Verbindung mit anderen gehen zu können.



Im Coaching und therapeutischen Bereich ist es wichtig, diese Fähigkeit zu haben und einfühlsam zu nutzen - die meisten emphatischen Menschen haben diese. Es kann für unser Gegenüber sehr berührend und heilsam sein, wenn da jemand ist, der wirklich spürt, was in uns vorgeht.

Im Alltag ist Empathie auch wertvoll, aber nur, wenn ich diese richtig einsetze. Die Fähigkeit, dass ich spüre, was in dem anderen vorgeht, entbindet diesen nicht davon, sich selber zu fühlen und die eigenen Bedürfnisse klar zu äußern!


Das Thema Bedürfnisse in der Tiefe zu verstehen ist ein wichtiger Schritt zurück in die Eigenverantwortung und Selbstbehauptung, die zu viel Frieden im Inneren wie Äußeren führen kann.


Wenn Du tiefer in dieses Thema einsteigen möchtest, individuelle Unterstützung dazu brauchst, dann melde Dich gerne bei mir unter: doerte.winkler@seelenflieger.net


(c) Dörte Winkler


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